Thomas K. Pflug


DDR-Zeitzeuge/In  Thomas K. Pflug aus Hamburg

Thomas K. Pflug (geb. 1948 in Leipzig) wuchs mit drei Geschwistern auf. Viele seiner Verwandten, Großeltern und Urgroßeltern waren bereits in den 1950er Jahren in den Westen geflüchtet – der Mauerbau 1961 trennte die Familie endgültig. 1962 wurde ihm der Besuch der Oberschule verwehrt, woraufhin er eine Ausbildung zum Technischen Zeichner begann. Später machte er an der Arbeiter- und Bauern-Fakultät in Freiberg Abitur, wo er seine spätere Ehefrau Christine kennenlernte. Von 1968 bis 1972 studierte Thomas K. Pflug Maschinenbau in Karl-Marx-Stadt / heute Chemnitz. Dort engagierte er sich in der evangelischen Studentengemeinde – was zu ersten Konflikten mit dem Staat führte. Um nicht in die SED eintreten zu müssen, wurde er während des Studiums Mitglied der LDPD. Ein geplanter Forschungsweg wurde ihm nach dem Studium verwehrt. In Leipzig begann er seine Arbeit als Konstrukteur, seine Frau Christine arbeitete als Krankengymnastin. 1975 entschied sich das Paar, nach der Geburt des ersten Kindes einen Ausreiseantrag zu stellen – in Berufung auf die KSZE-Schlussakte. 1976 wurde dieser Antrag abgelehnt. Aus Protest kündigte Thomas K. Pflug zum Jahresende seine Arbeit. Im März 1977 wurde er vom Staatssicherheitsdienst verhaftet. Man warf ihm "staatsfeindliche Hetze", "staatsfeindliche Verbindungsaufnahme" und "politische Asozialität" vor. Christine wurde ebenfalls kurzzeitig festgenommen. Nach fünf Monaten Untersuchungshaft erhielt Thomas Pflug eine 15-monatige Haftstrafe – ausgesprochen von einem Gericht, mit dem er zuvor selbst als Schöffe zusammengearbeitet hatte. Bis November 1977 verbüßte er seine Haftstrafe im Strafvollzug Cottbus. Im Dezember 1977 gelangte Pflug im Rahmen des Häftlingsfreikaufs in die Bundesrepublik. Seine Frau und sein Sohn durften im März 1978 folgen.