Prof. Dr. Thomas Wieske

Prof. Dr. Thomas Wieske (geb. 1958 in Dessau) wuchs in Aken (Elbe) auf. Nach einer glücklichen Kindheit und überangepassten DDR- Jugend mit Jugendweihe, Konfirmation, FDJ und Abitur an der Erweiterten Oberschule in Köthen entschloss er sich im Oktober 1976 zur Flucht aus der DDR. Ausschlaggebend waren seine wachsende Distanz zum politischen System, die fehlende Freiheit zur offenen Meinungsäußerung sowie der anhaltende Druck zur ideologischen Anpassung. Hinzu kamen die zunehmende Militarisierung des Alltags und der Druck von früher Jugend an, sich zu einem längeren Militärdienst zu verpflichten – Bedingungen, unter denen er für sich keine selbstbestimmte Zukunft sah. Sein Fluchtversuch über die Tschechoslowakei scheiterte; er wurde in der Bahn im Grenzgebiet in Südböhmen festgenommen und 1977 vom Kreisgericht in Köthen unter Ausschluss der Öffentlichkeit wegen versuchter Republikflucht zu 16 Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt. Die Haft verbrachte er in Gefängnissen des Ministeriums für Staatssicherheit in Halle (Saale), Cottbus und Berlin, zeitweise in Einzelhaft. Nach vollständiger Verbüßung der Haftzeit gelangte er 1978 im Rahmen des Häftlingsfreikaufs in die Bundesrepublik. Anschließend studierte Wieske „als Neu-Bundesbürger“ die Rechts- und Politikwissenschaften in Hamburg und Freiburg im Breisgau, absolvierte den juristischen Vorbereitungsdienst in Hamburg und New York und legte 1988 das Zweite Staatsexamen ab. Bis zum Mauerfall durfte er nicht mehr in die DDR einreisen, auch nicht beim Tod seines Vaters. Nach Tätigkeiten als Justiziar in einem internationalen Logistikunternehmen und Promotion an der Universität Hamburg zum Dr. jur. wurde er 1999 zum Professor an der Hochschule Bremerhaven berufen. Seit seiner Emeritierung im Jahre 2022 engagiert er sich im Menschenrechtszentrum Cottbus e. V., dessen Vorstand er seit 2025 angehört, sowie im Projekt „Memory of Nations“. Wieske hat zu verfassungsrechtlichen Themen und zu Fragen des Transport- und Logistikrechts publiziert.