Christoph Goelitz

Christoph Goelitz (geb. 1954 in Erfurt) erlebte seine Kindheit und Jugend in einem DDR-kritischen Umfeld. Seine Eltern waren Inhaber eines Privatbetriebes und wurden 1972 enteignet. Er besuchte ab 1967 ein Internat der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Eisenach und absolvierte dort sein Abitur. Während der Schulzeit beschäftigte er sich intensiv mit Musik und spielte in Schülerbands, die auch bei Jugendgottesdiensten auftraten. Vor allem die gewaltsame Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 manifestierte seine ablehnende Haltung gegenüber der DDR. Goelitz engagierte sich musikalisch in der Jungen Gemeinde und beteiligte sich an der Verbreitung der Texte von Wolf Biermann, Reiner Kunze und Lutz Rathenow. Bereits in der 11. Klasse erhielt er die Zusage für ein Musikstudium in Weimar (1975–1980), musste jedoch zunächst den Grundwehrdienst bei der Nationalen Volksarmee (NVA) ableisten. Erfahrungen während des Wehrdienstes, die Flucht seines besten Freundes in den Westen, die Selbstverbrennung des Pastors Brüsewitz und die Ausbürgerung Wolf Biermanns 1976 führten zur inneren Entscheidung, dem autoritären DDR-Staat den Rücken zu kehren.Während des Studiums begann Christoph Goelitz eine erfolgreiche Musikerkarriere, u.a. mit Ute Freudenberg und der Gruppe Elefant. Nachdem er sein Studium abgeschlossen hatte, wurde er 1981 zum Reservedienst einberufen, den er verweigerte. Parallel stellte er einen Antrag auf Ausreise wegen der Heirat mit einer Bürgerin aus der Bundesrepublik, wodurch er nicht eingezogen wurde. Es folgten diverse Schikanen seitens der DDR-Behörden, dazu gehörte auch ein indirektes Berufsverbot. Nach wiederholten Ausreiseanträgen sowie der Kontaktaufnahme zur Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland in Ost-Berlin wurde Goelitz im April 1983 verhaftet und wegen „Landesverrats“ zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Im Rahmen des Häftlingsfreikaufs gelangte er im Juni 1984 in die Bundesrepublik. Christoph Goelitz ging nach West-Berlin, wo er nochmal studierte und eine akademische Karriere begann. Nach dem Mauerfall kehrte er in sein thüringisches Heimatdorf zurück und gründete dort 1991 ein Internationales Kunst- und Kulturprojekt, das 1997 mit dem Thüringer Kulturpreis ausgezeichnet wurde (www.sommer-akademie.com).
Um mit Christoph Goelitz aus Schwabach (Bayern) Kontakt aufzunehmen, richten Sie bitte eine Anfrage an das Koordinierende Zeitzeugenbüro.